Hilflos oder Wehrlos? Vielleicht aber auch machtlos?

Auf jeden Fall schlaflos!

Hilflos und ausgeliefert war ich oft genug...

Sei es damals in der Schule, wo ich im Klassenverband ganz unten stand und Prügel beziehen mußte, so daß ich mich nicht traute, den Umkleideraum beim Sport zu benutzen. Ich habe mich meist auf dem Flur umgezogen. So konnte ich sichergehen, daß ich keine draufbekommen habe und daß mich keiner festhalten und mir die Hose runterziehen konnte.

Den Lehrern war das relativ egal, was in den Umkleideräumen geschah. Ich konnte aber auch nicht immer dem Sportunterricht fern bleiben.

Was hätte ich dagegen tun sollen? Wie hätte ich mich dagegen wehren sollen? Da stand 1 Wort gegen das Wort der anderen Jungs aus meiner Klasse und es ist natürlich nie etwas vorgefallen. Und dann wäre ich gleich wieder dran gewesen, da ich ja meinen Mund nicht halten konnte.

Das „nicht wehren" habe ich schon früh in der Kindheit gelernt. Bis heute habe ich noch kein Kind gesehen, welches seine Stimme gegen einen Erwachsenen erhoben hat.

Was ein Erwachsener tut ist immer richtig und kein Kind kann es anzweifeln.

Ich glaube schon, daß Erwachsene für Kinder so eine Art „Götter" sind.

Aber welcher Gott würde zulassen, daß Kinder mißhandelt werden?

Also muß es auch „Teufel" unter ihnen geben und einen davon mußte ich kennenlernen.

Er spielte sich immer als treusorgender Familienvater auf, dabei war er noch nicht einmal mein Vater.!. Meine Mutter mußte sich ja unbedingt scheiden lassen. An ihre Kinder hat sie dabei wohl nicht gedacht!!! Meine Schwester hatte es gut, sie durfte bei meinem Vater bleiben, ich bekam einen neuen vorgesetzt, mit dem ich klar kommen mußte mit 3 Jahren...

In letzter Zeit war ich oft schlaflos und habe über die Menschen nachgedacht, die ich einst geliebt und gebraucht habe.

Und wenn ich einen dieser Menschen gebraucht habe, dann war er natürlich nicht da.

So, wie sich mein Alptraum immer wiederholt, so hat sich damals die Situation immer wiederholt.

Und wir waren immer allein (oder ich will meiner Mutter nicht unterstellen, etwas mitbekommen zu haben).

Der Neue im Leben meiner Mutter mochte mich nicht. Im Kindergarten war ich eher ruhig und verängstigt und ich hatte nicht selten blaue Flecken aufzuweisen.

Ausgeliefert war ich ihm sehr oft, er war so groß und ich so klein.

Wenn ich „lieb" war, gab es auch keine Prügel, aber es tat auch ohne höllisch weh, und wenn ich mich dagegen gewehrt habe, hat er mir noch mehr weh getan und mich festgebunden.

Aber lieb war ich ja nie gewesen, darum mußte ich ja auch von ihm bestraft werden.

Am liebsten wäre ich tot gewesen.

Er konnte es nie erwarten, mich nackt zu sehen und mich anfassen zu können, am ganzen Körper mußte ich seine Hände ertragen. Er streichelte mich nicht nur, sondern griff mitunter auch sehr hart zu. Schon das Anfassen tat weh, aber ich durfte nicht schreien oder weinen. Mal konnte ich nicht und mal durfte ich nicht.

Am Anfang hat er das ja mit mir getan, weil er mich ganz doll lieb hatte und er war auch ganz zärtlich, aber die Zärtlichkeit ließ immer mehr nach...

Wenn er dann auch nackt war, tat er mir noch mehr weh und manchmal habe ich am After geblutet. Meine Mama, nach der ich gerufen habe ist nie gekommen, um mir zu helfen.

Einmal, als ich seinen Penis im Mund hatte, wollte ich zubeißen, jedoch drückte er meinen Hals so doll zu, daß ich keine Luft mehr bekam und ich mußte loslassen.

Das war das 1.Mal, daß er mich festgebunden hat. Jetzt tat er mir noch mehr weh, da ich sehr „böse" war.

Immer, wenn meine Mutter nach Hause kam und ich geweint habe, sagte er, daß ich etwas angestellt hatte und von ihm eine Ohrfeige bekommen habe. Sie hat ihm jedes mal geglaubt.

Ich habe es nie meiner Mutter erzählt, denn immer wenn er fertig war, sagte er zu mir, daß er mir ganz doll weh tun würde, wenn ich es jemandem erzählen würde und er würde dafür sorgen, daß ich bald nie wieder etwas erzählen würde. Und hätte sie mir, einem kleinenKind geglaubt? Kinder „flunkern" ja gern und überlegen sich die wildesten Geschichten, da kann man ihm ja nicht alles glauben, was es erzählt.

Ich wollte nie, daß meine Mutter weggeht und mich mit ihm allein läßt, aber sie hat mich immer wieder bei ihm zurückgelassen und er hat mich immer wieder für etwas „bestraft", was ich angestellt habe (oder auch nicht). Auch wenn ich mir keiner Schuld bewußt war, er fand immer einen Anlaß, mich zu bestrafen.



Der Bericht stammt aus einem Brief eines jetzt 28 jährigen Mannes